Ein Überblick

Häufige Diagnosen und verordnete Psychopharmaka

Psychopharmaka spielen in der Behandlung vieler psychischer Erkrankungen eine wichtige Rolle. Besonders bei Depressionen, Angststörungen, Psychosen, bipolaren Störungen, ADHS sowie Schlaf- und Unruhezuständen kommen unterschiedliche Medikamentengruppen zum Einsatz.

Für Österreich liegen derzeit nur begrenzt öffentlich zugängliche und international gut vergleichbare Daten zur Verschreibung von Psychopharmaka vor. Deshalb stützt sich dieser Überblick vor allem auf internationale Quellen, darunter Daten aus England, der Schweiz, Deutschland, den USA sowie OECD-Statistiken.

Antidepressiva bei Depressionen und Angststörungen

Bei Depressionen und Angststörungen zählen Antidepressiva zu den am häufigsten verordneten Psychopharmaka. Dazu gehören insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, sogenannte SSRIs. Beispiele für häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin und Sertralin.

Internationale Daten zeigen, dass Antidepressiva zahlenmäßig eine besonders große Rolle spielen. In England wurden im Zeitraum 2024/25 rund 92,6 Millionen Packungen Antidepressiva an etwa 8,89 Millionen Patient:innen abgegeben.

Antipsychotika bei Psychosen, Schizophrenie und bipolarer Störung

Bei Psychosen, Schizophrenie und bipolaren Störungen kommen häufig Antipsychotika zum Einsatz. Zu den oft verwendeten Wirkstoffen zählen unter anderem Quetiapin, Risperidon, Aripiprazol und Olanzapin.

Auch hier zeigen internationale Daten, dass Antipsychotika einen bedeutenden Anteil an der psychopharmakologischen Versorgung ausmachen. In der Schweiz entfielen im Jahr 2020 rund 34,9 Prozent der Psychopharmaka-Menge auf Antipsychotika.

ADHS und Stimulanzien

Bei ADHS werden häufig Stimulanzien eingesetzt. Besonders bekannt ist der Wirkstoff Methylphenidat. Internationale Daten weisen zudem auf eine deutliche Zunahme von ADHS-Medikationen bei Erwachsenen hin. In England stieg die Zahl der erwachsenen Patient:innen mit ADHS-Medikamenten im Zeitraum 2024/25 deutlich an.

Schlafstörungen, Angst und Unruhe

Bei Schlafstörungen, Angstzuständen oder starker Unruhe können Anxiolytika, Hypnotika oder sedierende Medikamente verordnet werden. Diese Arzneimittelgruppen werden in der Regel besonders sorgfältig eingesetzt, da sie je nach Wirkstoff mit Risiken wie Gewöhnung, Abhängigkeit oder Nebenwirkungen verbunden sein können.

Datenlage in Österreich

Ein zentrales Ergebnis der Recherche ist, dass Österreich im internationalen Vergleich nur eingeschränkt verfügbare, öffentlich zugängliche und systematisch vergleichbare Daten zur Verschreibung von Psychopharmaka bietet. Für eine fundierte gesundheitspolitische Diskussion wären transparente Daten hilfreich — etwa zur Häufigkeit von Verschreibungen, zu regionalen Unterschieden und zu langfristigen Entwicklungen.

Fazit

Psychopharmaka sind ein wichtiger Bestandteil psychiatrischer Versorgung. Gleichzeitig zeigt der Überblick, wie wichtig eine differenzierte Betrachtung ist: Welche Diagnose liegt vor? Welche Wirkstoffgruppe wird eingesetzt? Welche Alternativen oder begleitenden psychosozialen Angebote stehen zur Verfügung?

Eine bessere Datenlage in Österreich könnte dazu beitragen, Versorgungstrends genauer zu verstehen und Diskussionen über psychische Gesundheit, Behandlungsmöglichkeiten und Patient:innenrechte sachlicher zu führen.

 

Quellen / Literatur

1. Hansen J, Skaarup B, Laursen SB. Heat wave-related mortality and antidepressant and antipsychotic drug use. _Eur J Epidemiol_. 2005;20(7):593-6.

Belegt: 4,6-fach erhöhtes Hospitalisierungsrisiko bei Antipsychotika/Antidepressiva während Hitzewellen. Dänische Fall-Kontroll-Studie

2. IQVIA Total Patient Tracker / U.S. Census Bureau ACS. April 2025 U.S. Population Prevalence of Prescription Psychiatric Medication Use. HHS ASPE Data Point No. 5. 2025.

Belegt: 1,9% der US-Erwachsenen erhalten Antipsychotika, 1,1% Jugendliche 3-17 Jahre

3. NHS Business Services Authority. Medicines Used in Mental Health – England 2015/16 to 2024/25. Official Statistics Release. 2025.

Belegt: 92,6 Mio. Antidepressiva-Packungen 2024/25 an 8,89 Mio. Patient:innen. 3,6 Mio. Antipsychotika-Packungen. +24,3% ADHS-Medikamente bei Erwachsenen

4. OECD. Health Statistics 2023: Pharmaceutical consumption – Antidepressants and antipsychotics. http://OECD.Stat.

Belegt: Österreich 62 DDD/1000 Einwohner/Tag bei Antidepressiva 2019. International vergleichbarer DDD-Standard.

5. PubMed / Psychopharmacology Research. Trends in antipsychotic and antidepressant prescriptions among German adolescents: Data from AOK 2015-2023. _Psychiatry Res_. 2025; PMID 41240758.

Belegt: Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Sertralin, Aripiprazol, Quetiapin, Risperidon >100.000 DDD in Deutschland 2023

6. Springer Nature / Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie. Psychopharmakotherapie bei schizophrenen Patient:innen im Maßregelvollzug 2024. _Forens Psychiatr Psychol Kriminol_. 2024.

Belegt: 76,3% der Maßregelvollzug-Patient:innen haben F2-Diagnose = schizophrener Formenkreis

7. Springer Nature / Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie. Entwicklung der Psychopharmakaverschreibung in österreichischen Justizanstalten 2013-2023. _Forens Psychiatr Psychol Kriminol_. 2023.

Belegt: Antipsychotika +249%, Anxiolytika +104%, Antidepressiva +99% Verschreibungswahrscheinlichkeit in Haft 20132023

8. Swiss Federal Statistical Office / Obsan. Psychopharmaka-Konsum in der Schweiz 2020. Obsan Bulletin 2022.

Belegt: Schweiz 2020: Antidepressiva 46,9%, Antipsychotika 34,9%, Anxiolytika 19,1% der Psychopharmaka-Menge. SSRIs 51,2% bei Langzeitnutzer:innen.
ChatGPT Image 8. Juli 2026, 07 36 22

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